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GWA-Kürzungen – welche Verluste!
In Duisburg wird es 2011 massive Sozialkürzungen durch die ARGE geben. Die Streichung von zwei Dritteln der 3200 Gemeinwohlarbeitsstellen sind die Folge. Regenbogen beschäftigt seit Jahren GWA-Mitarbeiter (Hartz-IV) und steht somit im engen Kontakt zu ihnen. Die persönlichen Konsequenzen für GWA-Mitarbeiter die im kommenden Jahr ihre Stellen verlieren, sind vielfältig.
Der Verlust der Mehraufwandsentschädigung von ca. 2 Euro täglich stellt ein großes finanzielles Problem dar. Auf dieses Geld verzichten, heißt, nun wieder mit den knappen ALG II–Regelsätzen auszukommen. Zudem bietet GWA die Chance, durch regelmäßige Tätigkeit wieder Leistung zu zeigen und von den Kontakten und der Anerkennung der Kollegen am Arbeitsplatz zu profitieren. Etliche haben zudem den Übergang in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis geschafft. Die Vermittlungsquote betrug bei Regenbogen im letzten Jahr mit 19 Personen (10,4 %) und für 2010 mit 14 Personen bisher (9,3 %).
Letztlich bietet eine GWA-Stelle auch die Möglichkeit zur Beschäftigung von Personen, die aufgrund körperlicher oder psychischer Beeinträchtigungen nur eingeschränkt eine Tätigkeit ausüben können. Sie sind von den Kürzungen besonders betroffen. Wird das alles tatsächlich ersatzlos gestrichen oder können sie noch auf Alternativen hoffen?
GWA Bilanz 2009
Die ungünstige Arbeitsmarktsituation in Duisburg und die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise sind 2009 auch am Bereich Arbeit nicht spurlos vorüber gegangen. Bei der Gemeinwohlarbeit(GWA) wurden 182 Teilnehmer betreut. 19 davon fanden eine Arbeit oder eine Anschlussmaßnahme. Die Auslastung lag bei 90 Prozent. Ein gutes Ergebnis.
Neuer Bereichsleiter Arbeit
Seit dem 1. April ist Marc Ernek neu-er Bereichsleiter des Arbeitsbereichs. Der 34-Jährige Diplom-Pädagoge hat am Duisburger Campus mit dem Schwerpunkt Berufs- und Betriebspädagogik studiert und war in den vergangenen Jahren für einen Träger tätig, der Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen durchführte. „Schon vor Beginn meines Studiums habe ich mich stark für Arbeitsmarktpolitik interessiert“, erzählt der gebürtige Oberhausener, der seit neun Jahren in Duisburg lebt und sich selbst „als Kind des westlichen Ruhrgebiets“ beschreibt.
„Wir freuen uns, mit Herrn Ernek einen qualifizierten und motivierten Be-reichsleiter gefunden zu haben“, so Geschäftsführerin Elisabeth Hofmann.
Viel mehr als ein „Ein-Euro-Job“
Monika Bärenreiter und Angelika Suler, GWA-Mitarbeiterinnen im SPZ, (Sozialpsychiatrisches Zentrum), Rheinhausen. Sie schildern, was die Tätigkeit für sie bedeutet: „Seit mehr als einem Jahr sind wir im SPZ des Regenbogen beschäftigt. Dort unterstützen wir die Fachkräfte in der Kontakt- und Beratungsstelle. Unsere Aufgabe ist es, den Besuchern ihren Alltag abwechslungsreich zu gestalten. Wir leisten ihnen Gesellschaft bei Spielrunden, begleiten sie auf Wunsch bei kleineren Erledigungen oder unterstützen sie einfach durch die Gespräche, die wir mit ihnen führen. Für uns bedeutet diese Tätigkeit einen Ausweg aus langjähriger Erwerbslosigkeit, aus Langeweile und sozialem Rückzug. Es tut gut, eine sinnvolle Aufgabe zu haben und täglich die Wertschätzung der Besucher und der Mitarbeiter zu erfahren.
Durch die gute Anleitung und Unterstützung der hauptamtlichen Fachkräfte, die uns stets zur Seite stehen, haben wir den einfühlsamen Umgang mit psychisch erkrankten Menschen sehr schnell gelernt. Besonders wichtig sind eine gute Beobachtungsgabe und Feingefühl. Bei unserer Arbeit erfahren wir immer wieder, wie viele Fähigkeiten die Menschen mitbringen, und wie ungerecht(fertigt) viele Vorurteile ihnen gegenüber sind. Das merken wir auch, wenn wir mit unseren Freunden und Bekannten über unsere Arbeit sprechen. Oft können wir dabei Berührungsängste und Barrieren abbauen. Unsere Arbeit hier im Regenbogen gibt uns Sicherheit und Selbstvertrauen: Wir bleiben fit, und wir haben Freude an dem, was wir tun! Es wäre schön, wenn es für uns auch nach dem Ende dieser Maßnahme eine positive berufliche Perspektive gäbe und wir das, was wir hier gelernt haben, dann sinnvoll einbringen könnten.
„Hier fühle ich mich wohl“
„Gestatten, ich heiß Detlef, bin 43 Jahre und ewig lange arbeitslos. Seit Dezember bin ich Mitglied der Regenbogen-Familie. In den Werkstätten der Krummenhakstraße versuche ich im Rahmen meiner Möglichkeiten einen Zwei-Euro-Job zu absolvieren.
Hier wird allerhand gebaut und wieder hergestellt. Viele nette Leute mit unterschiedlichen Geschichten, Talenten und Charakteren wuseln hier herum. Alte Möbel werden wieder wie neu, aus defekten Drahteseln werden wieder funktionstüchtige Räder. Hier werden Autos poliert, dass die Sonne lacht, hier wird gelötet und gefräst, dass die Schwarte kracht. Irgendwo ist immer jemand mit einem Werkzeug in der Hand. Andere sind auf Tour, besorgen Material oder reparieren etwas in einer der Regenbogen-Einrichtungen. Ich fühle mich hier wohl, genau hier passe ich rein.
Ich möchte testen, was ich noch leisten kann. Denn ich bin an Muskelschwund erkrankt. Mein Körper hat einen Gen-Defekt, der körpereigenes Muskeleiweiß zerstört und damit den Aufbau leistungsfähiger Muskeln verhindert. Das wirkt sich für mich so aus, dass ein Kilogramm Gewicht in meiner Hand gefühlte zehn Kilo sind. 100 Meter laufen sind wie ein Kilometer. Und die Erschöpfung kommt oft schneller und stärker als erwartet. Das ist häufig frustrierend, ich verliere das Vertrauen in meinen Körper. Was heute noch gut ging, ist morgen vielleicht viel schwerer. Wie ein kaputter Akku im Handy – das Display zeigt voll an, doch ein Telefonat und das Ding muss ans Ladegerät. Wenn ich es schaffe, nach einem Jahr Zwei-Euro-Job meine Kräfte so einzuschätzen, dass mein Alltag überwiegend aus Zufriedenheit und nicht mehr aus Niedergeschlagenheit besteht, war es ein erfolgreiches Jahr.“