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Kooperation mit dem Kunstverein

Ab sofort sind Regenbogen e.V. und der Kunstverein Duisburg Kooperationspartner. Das beschlossen beide Vereine jetzt nach einigen Gesprächen und einer ersten Stippvisite von Besuchern der Kontakt- und Beratungsstelle Mitte im Künstlerhaus am Weidenweg 10 in Kaßlerfeld. Dort haben mehrere Künstler ihr eigenes Atelier und hier werden jährlich mehrere Ausstellungen unterschiedlicher Kunststile gezeigt. Beide Vereine sind nun auch Mitglied des jeweils anderen Vereins.

„Viele unserer Besucher interessieren sich sehr für Kunst und sind – etwa im Rahmen der tagesstrukturierenden Angebote – auch kreativ tätig”, berichtet Dr. Maria Rayermann, Bereichsleiterin Tagesstruktur. „Besonders danke ich dem Geschäftsführer des Kunstvereins, Herbert Gorba, der sich sehr offen zeigte und mit dem wir schnell eine vertrauensvolle Basis finden konnten.”
Regelmäßig werden die Besucher der Regenbogen-Treffs die Kunstschaffenden im Künstlerhaus nun besuchen und ihnen bei der Arbeit über die Schulter gucken dürfen. Bei einer Ausstellungseröffnung waren sie bereits dabei.

Treff-Besucher vertritt Regenbogen

„Meine positiven Erfahrungen in den Regenbogen-Treffs während der vergangenen zehn Jahre interessiert doch bestimmt auch andere Psychiatrieerfahrene“, dachte sich Matthias F. vor gut einem Jahr. Im Gespräch mit der Bereichsleiterin Tagesstruktur, Dr. Maria Rayermann, kamen beide schnell auf die Idee, dass Herr F.  sich und die Arbeit des Regenbogen im Marienhospital vorstellen könnte.

„Ich kann als Psychiatrieerfahrener authentischer und überzeugender wirken“, erläutert Herr F., der mittlerweile regelmäßig ins Marienhospital geht und die Gespräche mit den Patienten sucht. Dabei sei gerade der erste Besuch, der auch auf die geschlossenen Stationen führte, für ihn befremdlich gewesen. „Ich wusste noch nicht genau, welche Infos wichtig sind und wie ich die am Betsen rüberbringe.“ Petra Behrens vom Sozialdienst des Hospitals machte dann den hilfreichen Vorschlag, die Besuche auf den Freitag um 15 Uhr zu legen, da es auf den Stationen dann Kaffee und Kuchen gibt und alle Patienten zusammen sitzen. Anfangs war das für mich sehr formell. Das hatte den Charakter eines Vortrags. Ich fühlte mich in meiner Haut nicht besonders wohl.

In Laufe der Monate entwickelte ich die Besuche so, dass ich gezielt Patienten ansprach, die bei mir den Eindruck erweckten, sie könnten sich für das Angebot des Regenbogen interessieren. Heute gestalte ich meine Besuche so, dass ich mir die Patienten anschaue und sie anspreche, um festzustellen, ob Bedarf oder Interesse besteht. Wenn ja, gebe ich einen Flyer mit oder schreibe die Telefonnummer vom Regenbogen auf. Aufgrund meiner Besuche haben schon viele Patienten den Regenbogen-Treff in der Neckarstraße besucht und um Hilfe gebeten.

Psycho-Edukation war ein Erfolg

„Diese Gruppe hat mir die Angst vor der Zukunft genommen“, berichtete eine Besucherin der Tagesstätte, die in den vergangenen 16 Wochen an der Psychoedukationsgruppe teilgenommen hat. „Jetzt weiß ich, dass ich gegensteuern kann, wenn ich die Frühwarnzeichen für meine Psychose bemerke und der Erkrankung nicht hilflos ausgeliefert bin. Ich kann mich vor einer Krise aktiv schützen.“

Die Inhalte der verschiedenen Einheiten, wurden nach dem Konzept der „Psychoedukativen Gruppenarbeit mit schizophren und schizoaffektiv erkrankten Menschen“ – kurz Pegasus – den Teilnehmern anschaulich dargestellt. Neben der aktiven Beteiligung der Teilnehmer aus der Tagesstätte, profitierte die Gruppe im Besonderen von der Moderation durch Johannes Hartmann, Fachpfleger im Marienhospital, der seine Erfahrung und sein Wissen in für jeden verständlichen Worten an die Teilnehmer weiter gab. Dass Herr Hartmann so umfassend und engagiert die Pegasus-Gruppe begleiten konnte, ist vor allem dem Chefarzt der psychiatrischen Abteilung, Professor Peer Abilgaard, dem Pflegedienstleiter Klaus Degenhardt sowie dem Team der Station P3 zu verdanken, die ermöglichten, dass er während seiner Dienstzeit die Gruppe in der Tagesstätte begleiten konnte. Die Vorbereitung jeder Sitzung übernahm mit nicht minder großer Begeisterung Christian Wiegand, Ergotherapeut in der Tagesstätte-Mitte bei Regenbogen.

Dabei war es stets besonders wichtig, den unterschiedlichen Erfahrungen und Anliegen der Teilnehmer gerecht zu werden. Jeder war gefordert, sich als Fachmann seiner Erkrankung – denn darum geht es bei der Psycho-Edukation – aktiv am Gruppengeschehen zu beteiligen. Das geweckte Interesse war schnell so groß, dass die 60 Minuten meistens nicht reichten, regelmäßig wurde überzogen.

Die Teilnehmer entwickelten nach und nach ein Verständnis dafür, dass eine Psychose grundsätzlich eine Fähigkeit ist, welche den Menschen vor andauernder Überforderung schützt. Diese Fähigkeit der schizophrenen Psychose bekommt jeder Mensch mit in die Wiege gelegt. Wie bei allen anderen Fähigkeiten und Talenten liegt es am Einzelnen, was er daraus macht. Mit dem „Verletzlichkeits-Stress-Modell“ wurde deutlich, dass es viele biologische und psychosoziale Bedingungsfaktoren gibt, die nicht zu beeinflussen sind. Diese Erkenntnis war vielen Teilnehmern nicht bewusst. „Ich kann niemanden, nicht mich selbst und auch keinen anderen für meine Psychose verantwortlich machen“ ist eine befreiende Erkenntnis einer Teilnehmerin. Im Laufe der angeregten Diskussionen konnten viele irrige Annahmen korrigiert und gerade gerückt werden.

Damit sich die  Teilnehmer künftig aktiv einer Krise entgegen stellen können, stellten sie je eine Liste mit Frühwarnzeichen und eine mit Bewältigungsstrategien auf. Zum Abschluss formulierte jeder Teilnehmer einen Krisenplan für sich selbst. Die Teilnehmer äußerten allesamt, dass bei ihnen die Neugier, die eigene Erkrankung zu verstehen und sie aktiv zu bewältigen, geweckt ist. Viele wollen den begonnen Dialog miteinander, in ihrem Umfeld und in der Tagesstätte fortsetzen.

Eine gut funktionierende Kooperation

Seit November 2008 arbeiten Regenbogen Duisburg und die Migrantenambulanz des Marienhospitals in Hochfeld intensiv zusammen.

Vor allem mit den Kontakt- und Bera-tungsstellen ist die Zusammenarbeit eng. So besuchten 2009 170 Men-schen mit türkischer Zuwanderungs-geschichte eine der beiden Kontakt- und Beratungsstelle in Rheinhausen oder in Wanheimerort. Eine Zahl, die 2010 wohl gesteigert wird. Allein im ersten Halbjahr kamen 140 türkisch-stämmige Besucher aus allen sieben Stadtbezirken. Der überwiegende Teil dieser Besucher erfährt über die Migrantenambulanz von den Angebo-ten bei Regenbogen. Häufig begleitet Güllü Koc von der Migrantenambu-lanz die Besucher und motiviert sie, an den migrantenspezifischen Ange-boten teilzunehmen. Bei Regenbogen ist Nuray Özer meistens erste Ansprechpartnerin. Da sie Türkisch spricht und die kulturellen Hintergründe kennt, fassen neue Besucher schnell Vertrauen zu ihr.

Im Marienhospital fand jetzt ein gemeinsames Gespräch statt, an dem neben Dr. Maria Rayermann, Be-reichsleiterin Tagesstruktur und Nuray Özer, vom Marienhospital auch Güllü Koc sowie der Chefarzt der Psychiatrischen Klinik, Professor Peer Abilgaard, und Oberarzt Dr. Michael Schott teilnahmen. Abilgaard und Schott betonten, dass die Betreuung durch den Regenbogen eine sinnvolle und wichtige Ergänzung zu der Behandlung in der Klinik und bei der Nachsorge sei. Als besonders positiv wurde dabei der niedrigschwellige Zugang heraus gestellt. „Wer zu uns kommen möchte, muss nichts zahlen, es muss keine Kostenzusage und auch keine ärztliche Stellungnahme geben“, erläutert Dr. Maria Rayer-mann, Bereichsleiterin Tagesstruktur.

Würde die Migrantenambulanz nicht auf die Angebote von Regenbogen aufmerksam machen, wüssten viele Menschen, die regelmäßig zu uns kommen, nichts von den Kontakt- und Beratungsstellen.

„Für die lange und sehr gute Zusammenarbeit sind wir sehr dankbar“, betont auch Elisabeth Hofmann, Geschäftsführerin des Regenbogen. Dabei sind sich alle Beteiligten einig darüber, wie wichtig es ist, dass mehr Menschen mit Zuwanderungsgeschichte die Betreuungsangebote nutzen.

Dr. Dr. Wolfgang Krebs mit neuer Aufgabe

Nach über 25 Jahren als Chefarzt der Psychiatrischen Abteilung am Katholischen Klinikum Duisburg (KKD) verabschiedete sich mit Dr. Dr. Wolfgang Krebs nun eine Persönlichkeit, deren Leistung für die Gemeindepsychiatrie nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Unter seiner Federführung wurde die Psychiatrische Abteilung zu einem in der Reg
ion hoch geachteten und gut verzweigten Partner für viele psychiatrische Akteure ausgebaut.

Gerade mit dem Regenbogen verband Dr. Krebs stets ein enges Band. Bereits 1989 vereinbarte er mit dem damaligen 1. Vorsitzenden des Regenbogen e. V., Dr. Roland Hofmann, den ersten Kooperationsvertrag zwischen Psychiatrischer Abteilung und Regenbogen. Zehn Jahre lang engagierte sich Dr. Krebs als Vorsitzender des Regenbogen e. V., bis heute arbeitet er aktiv im Vorstand.

Wer auf eine solche Lebensleistung zurück blickt, geht nicht in den Ruhestand um still zu stehen. Dr. Krebs arbeitet weiter und arbeitet in der Innenstadt in einer psychiatrischen Praxis mit.

Im KKD reichte er den Staffelstab an seinen Nachfolger Prof. Dr. Peer Abilgaard weiter…

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