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Zeichen des Mitgefühls
Markus S. ist begeisterter Fan des MSV Duisburg. Selbstverständlich hat er eine Dauerkarte und unterstützt die Zebras regelmäßig im Stadion. Mit seiner Fußball-Leidenschaft ist der 46-Jährige im Kreise der Besucher der Tagesstätte Mitte nicht allein. Auch wenn Stephan S., der begeisterte Wasserballer, sich schon darauf freut, dass die anderen Besucher demnächst auch seine Sportart einmal live sehen werden – doch das ist eine andere Geschichte.
An dieser Stelle soll es um Fußball gehen. Genauer: Um das Benefizspiel, das der MSV gegen Schalke 04 zu Gunsten der Loveparade-Opfer austrug und das Markus S., Stephan S. und Ulrich B. gemeinsam mit Tagesstätten-Mitarbeiter Christian Wiegand besuchten. Zwar gewann der MSV das Spiel, doch Freude kam dabei nicht wirklich auf. „Es war ein Spiel mit einer sehr besonderen Atmosphäre“, berichten die drei Tagesstätten-Besucher. „Es gab keine Werbung, keine Fangesänge und nach den Toren kaum Jubel.“ Aber der Ausflug in die Arena sei lohnenswert gewesen. Zum einen, weil es den Ballzauber der Kickerprofis zu bestaunen gab, vor allem aber, um wie 9000 andere Menschen auch zu unterstreichen, dass die Opfer der Loveparade nicht vergessen werden.
„Ich hatte mich schon ins Kondolenzbuch eingetragen und finde es weiter wichtig, Verbundenheit zu demonstrieren“, so Stephan S. Diese wurde in einer Schweigeminute zum Ausdruck gebracht und auch durch die eindringlichen Worte des mitgereisten Stadionsprechers der Schalker, der daran erinnerte, dass die Loveparade-Katastrophe alle Menschen angeht und zum Beispiel auch viele Gelsenkirchener am Unglückstag zu Gast in Duisburg waren.
„Im Kreise der Besucher war das Unglück lange ein Thema und ist es heute noch. Es hat viele sehr bewegt“, berichtet Dr. Maria Rayermann, Bereichsleiterin Tagesstruktur. Obwohl die Besucher viele eigene Probleme hätten und sich sehr genau überlegen müssten, wofür sie ihr Geld ausgeben – weswegen auch Stadionbesuche für die meisten leider nicht in Frage kommen – setzten sie regelmäßig ein eindrucksvolles Zeichen des Mitgefühls: Ob das Erdbeben in Haiti, die Reaktorkatastrophe in Japan oder aktuell die Hungersnot in Somalia, die 18 Besucher versuchen so gut zu helfen, wie es geht.
„Die Besucher haben jetzt wieder eine Spendendose aufgestellt, dort wirft jeder das rein, was er geben kann“, berichtet Wiegand. „Die Initiative für die jeweiligen Spendenaktionen käme dabei stets aus dem Kreise der Besucher. Manche Besucher gaben „nur“ 50 Cent, andere konnten mehr geben. Innerhalb von knapp zwei Wochen kamen so 80 Euro zusammen. Das Geld wird nun auf ein Spendenkonto eingezahlt.
Psycho-Edukation war ein Erfolg
„Diese Gruppe hat mir die Angst vor der Zukunft genommen“, berichtete eine Besucherin der Tagesstätte, die in den vergangenen 16 Wochen an der Psychoedukationsgruppe teilgenommen hat. „Jetzt weiß ich, dass ich gegensteuern kann, wenn ich die Frühwarnzeichen für meine Psychose bemerke und der Erkrankung nicht hilflos ausgeliefert bin. Ich kann mich vor einer Krise aktiv schützen.“
Die Inhalte der verschiedenen Einheiten, wurden nach dem Konzept der „Psychoedukativen Gruppenarbeit mit schizophren und schizoaffektiv erkrankten Menschen“ – kurz Pegasus – den Teilnehmern anschaulich dargestellt. Neben der aktiven Beteiligung der Teilnehmer aus der Tagesstätte, profitierte die Gruppe im Besonderen von der Moderation durch Johannes Hartmann, Fachpfleger im Marienhospital, der seine Erfahrung und sein Wissen in für jeden verständlichen Worten an die Teilnehmer weiter gab. Dass Herr Hartmann so umfassend und engagiert die Pegasus-Gruppe begleiten konnte, ist vor allem dem Chefarzt der psychiatrischen Abteilung, Professor Peer Abilgaard, dem Pflegedienstleiter Klaus Degenhardt sowie dem Team der Station P3 zu verdanken, die ermöglichten, dass er während seiner Dienstzeit die Gruppe in der Tagesstätte begleiten konnte. Die Vorbereitung jeder Sitzung übernahm mit nicht minder großer Begeisterung Christian Wiegand, Ergotherapeut in der Tagesstätte-Mitte bei Regenbogen.
Dabei war es stets besonders wichtig, den unterschiedlichen Erfahrungen und Anliegen der Teilnehmer gerecht zu werden. Jeder war gefordert, sich als Fachmann seiner Erkrankung – denn darum geht es bei der Psycho-Edukation – aktiv am Gruppengeschehen zu beteiligen. Das geweckte Interesse war schnell so groß, dass die 60 Minuten meistens nicht reichten, regelmäßig wurde überzogen.
Die Teilnehmer entwickelten nach und nach ein Verständnis dafür, dass eine Psychose grundsätzlich eine Fähigkeit ist, welche den Menschen vor andauernder Überforderung schützt. Diese Fähigkeit der schizophrenen Psychose bekommt jeder Mensch mit in die Wiege gelegt. Wie bei allen anderen Fähigkeiten und Talenten liegt es am Einzelnen, was er daraus macht. Mit dem „Verletzlichkeits-Stress-Modell“ wurde deutlich, dass es viele biologische und psychosoziale Bedingungsfaktoren gibt, die nicht zu beeinflussen sind. Diese Erkenntnis war vielen Teilnehmern nicht bewusst. „Ich kann niemanden, nicht mich selbst und auch keinen anderen für meine Psychose verantwortlich machen“ ist eine befreiende Erkenntnis einer Teilnehmerin. Im Laufe der angeregten Diskussionen konnten viele irrige Annahmen korrigiert und gerade gerückt werden.
Damit sich die Teilnehmer künftig aktiv einer Krise entgegen stellen können, stellten sie je eine Liste mit Frühwarnzeichen und eine mit Bewältigungsstrategien auf. Zum Abschluss formulierte jeder Teilnehmer einen Krisenplan für sich selbst. Die Teilnehmer äußerten allesamt, dass bei ihnen die Neugier, die eigene Erkrankung zu verstehen und sie aktiv zu bewältigen, geweckt ist. Viele wollen den begonnen Dialog miteinander, in ihrem Umfeld und in der Tagesstätte fortsetzen.
Die Stimme aller Besucher
Ein Beispiel dafür, dass die Arbeit des Regenbogen erfolgreich ist, stellte Pia S. mit sich selbst vor. Die Diplom-Pädagogin kam vor vielen Jahren zum Regenbogen. Sie besuchte regelmäßig den Gesprächskreis im Regenbogen-Treff und kommt seit mehr als zwei Jahren in die Tagesstätte in Rheinhausen. „Innerhalb dieser zwei Jahren konnte ich mich sehr stabilisieren“, berichtete Schäfer. Noch immer besucht sie die Einrichtung regelmäßig, längst nimmt sie hier aber auch an den Teamsitzungen mit den hauptamtlichen Mitarbeitern und der Bereichsleiterin Dr. Maria Rayermann teil. „Dabei vertritt sie durchaus kritisch die Interessen der Klienten“, betont Rayermann. Sie war es auch, die Pia S. Anfang 2010 fragte, ob sie sich vorstellen könnte, als erste Besuchersprecherin die Stimme aller SPZ-Besucher zu werden. Seitdem ist Pia S. sehr engagiert. „In der Gruppe lässt sich etwas bewegen“, blickt Pia S. auf den Erfolg des vergangenen Jahres zurück, als die von der Stadt geplante Mittelkürzung nicht umgesetzt wurde. „Wir haben uns gewehrt und wenn nötig, werden wir uns in diesem Jahr wieder dagegen einsetzen“, gibt sie sich kämpferisch und optimistisch.
Vor allem ist sie froh, dass sie ihre berufliche Qualifikation als Besuchersprecherin einbringen kann. „Die Doppelqualifikation als Betroffene und Fachfrau ist für mich sehr wertvoll.“ So arbeitet sie im Qualitätsmanagement mit und prüft die Einhaltung der Standards. In diesem Jahr soll sie als Visitatorin gar die SPZ anderer Träger besuchen. Auch in anderen Lebensbereichen geht Pia S. mit gutem Beispiel voran. „Ich bin Vorlesepatin in einem Kindergarten.“ Inzwischen kann sie sich aber vorstellen, wieder in ihrem gelernten Beruf hauptamtlich tätig zu werden, beispielsweise im gemeindepsychiatrischen Bereich.
Regenbogen startet neues Angebot
Im Oktober wird in der Tagesstätte Mitte ein für den Regenbogen neues Angebot an den Start gehen. Regelmäßig wird sich dann in den Räumen an der Fuldastraße die „psychoedukative Gruppe“ treffen.
Psychoedukation bedeutet, dass psychisch kranke Menschen darin geschult werden, ihre Erkrankung besser zu verstehen, um Experte für die eigene Erkrankung werden. In der Tagesstätte werden vor allem psychoseerkrankte Menschen an der Gruppe teilnehmen.
Dabei stehen psychosoziale Bedingungsfaktoren, die Entwicklung und das persönliche Erleben akuter Psychosen im Mittelpunkt. Auch die Auswirkungen von Stress, Belastbarkeit und Überforderung werden hinterfragt.
Neben der Entstehung der Störungen wird in der Gruppe auch die Behandlung mit Medikamenten besprochen. Welche Nebenwirkungen haben diese? Welche Verantwortung habe ich als Patient?
In einem weiteren Schritt werden, jeweils auf den Einzelfall bezogen, Rückfallvorbeugung und Krisenbewältigungsstrategien entwickelt. Die Teilnehmer sollen dabei Wissen über individuelle Frühwarnzeichen erlangen und Bewältigungsstrategien erarbeiten. Zum Ende der Psychoedukation wird ein individueller Krisenplan erarbeitet, der den Teilnehmern wichtiges Handwerkszeug für die Gesundung bedeuten soll.
Die neue psychoedukative Gruppe führen Johannes Hartmann, Fachkrankenpfleger für Psychiatrie am Marienhospital, der über lange Erfahrung in Psychoedukation verfügt und Mitarbeiter des Regenbogen durch. Unterstützung findet das neue Angebot auch beim Chefarzt der psychiatrischen Klinik, Professor Peer Abilgaard. Er hat gemeinsam mit Hartmann und den Mitarbeitern der Tagesstätte das gemeinsame Angebot besprochen.
Schon jetzt haben sich acht interessierte Besucher gemeldet, die bereits neugierig sind und dem ersten Treffen der Gruppe gespannt entgegen sehen.
Gelungenes Entenrennen
Am Sonntag, den 13. Juni hat zum ersten Mal das „Sparda-Bank Entenrennen“ zugunsten des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte (VKM) im Duisburger Innenhafen stattgefunden. Das Entenrennen ist eine Benefiz-Lotterie. Im Rahmen des Innenhafenfestes sind tausende kleiner Quietscheentchen im Rennen um 108 Gewinne gestartet.
Zusätzlich gab es an diesem Tag noch ein „Promi-Entenrennen“, bei dem von Sponsoren selbstgestylte große Enten an den Start gegangen sind. Die gestylten Enten mussten sich jedoch vorher noch den kritischen Augen der Jury beugen, als es zum Schönheitswettbewerb ging. Regenbogen war mit fünf Enten dabei, die in den Tagesstätten in Rheinhausen und der Fuldastraße gestylt wurden.
Leider ist keine der „Regenbogen-Enten“, die als Glücksschweinchen, Wetterfrosch, Punker, „Federboa“ und Hippie gestylt waren, als Sieger gewählt worden, und auch beim Rennen hatten andere mehr Glück. Die Kreativität der „Regenbogen-Entendesigner“ wurde jedoch immer wieder von den zahlreichen Besuchern des Innenhafenfestes gewürdigt. Die originellen Enten, die tolle Stimmung und das gute Wetter waren dann auch der Grund für einen schönen und erfolgreichen Tag.
Der Erlös des gesamten Entenrennens in Höhe von rund 20.000 Euro kommt dem Betreuungsangebot „Geschwister von Kindern mit Behinderung“ des VKM zugute.
Regenbogen gratuliert dem VKM ganz herzlich zu der tollen Idee und der guten und erfolgreichen Umsetzung!