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Heimleiter feiert Zehnjähriges
Vor zehn Jahren, am 1. Juni 2001, begann Michael Bormke seine Tätigkeit bei Regenbogen. Seit einigen Jahren ist er Heimleiter des Wohnheims Heiligenbaumstraße und auch Stellvertretender Bereichsleiter des Wohnverbundes Erwachsene. In seiner Freizeit ist der überzeugte Rheinhauser Dauergast der Schalker Knappen.
Vorstand, Geschäftsführung, Kolleginnen und Kollegen gratulieren herzlich zum Jubiläum.
Medikamente machen Arme noch ärmer
Das Psychopharmakon Ciatyl-Z ist bei der Behandlung von Menschen mit psychischer Erkrankung weit verbreitet. Acht von 57 Bewohnern des Wohnheims Heiligenbaumstraße der Regenbogen Duisburg GmbH hat ihr Arzt das verordnet. Nähmen sie ihr Medikament nicht, könnte sich ihr Gesundheitszustand schnell verschlechtern.
Überraschend für diese Bewohner und die Mitarbeiter ging im September erstmals eine Rechnung der Stamm-Apotheke ein. Auf Nachfrage erfuhren die Mitarbeiter des Wohnheims, dass die Krankenkasse nun weniger zahlt und der Patient die Differenz selbst ausgleichen muss. „Für einen unserer Bewohner bedeutet das, dass er ab sofort monatlich bis zu 40 Euro für seine Medikamente zuzahlen muss“, berichten die Bezugsbetreuerinnen Sarah van Dorsten und Susanne Rosenkranz. 40 Euro, die kaum ein Bewohner eines Wohnheims aufbringen kann. Menschen, die im Wohnheim leben, steht pro Monat nur ein geringer Barbetrag zur Verfügung, mit dem sie persönliche Ausgaben, wie etwa Weihnachtsgeschenke, decken müssen. Mit so wenig Geld bleiben auch kleine Wünsche fast immer unerfüllte Träume. „Damit, dass Heimbewohner jetzt für ihre Medikamente zahlen müssen, beweisen die Akteure des Gesundheitssystems leider, dass es doch immer noch schlimmer kommen kann“, so Michael Bormke, Leiter des Wohnheims.

Heimleiter Michael Bormke kritisiert die neue Regelung, dass Wohnheim-Bewohner für verschriebene Medikamente zuzahlen müssen.
„Auch bei Medikamenten für Kinder sind die Zuzahlungen gestiegen und dabei sind die Preise in Deutschland ohnehin die höchsten in Europa“, unterstreicht Mohammad Hadi Rezai, Inhaber der Apotheke am Wanheimer Dreieck, die die Medikamente für das Wohnheim liefert. Genau hier vermutet Christof Schoppmann, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Hochemmerich und Vorstandsmitglied des Regenbogen e.V., den Grund für die katastrophale Entwicklung zu Lasten der Ärmsten. Beschlossen, so Schoppmann, habe die Zuzahlung der „Gemeinsame Bundesausschuss“, das oberste Beschlussgremium der Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. „Wahrscheinlich steckt die Überlegung dahinter, dass die Pharmaindustrie mit diesem Manöver gezwungen werden soll, die Preise zu senken“, vermutet Schoppmann.
Die einzige spürbare Veränderung erfahren bislang jedoch die Bewohner, und vielleicht mittelfristig die Krankenkassen. Denn die Gabe von wirkstoffgleichen Ersatzpräparaten (Generika) ist, so sie vorhanden sind, aufgrund von Dosierung oder Verpackungsgröße oft nicht günstiger. „Es besteht jetzt die große Gefahr, dass die Bewohner ihre Medikamente nicht mehr nehmen wollen, weil sie sich diese nur leisten können, wenn sie an anderer Stelle verzichten“, warnt Schoppmann. „Daraus resultierende Krankenhausaufenthalte wären viel teurer als die zuzahlungsfreie Abgabe der Medikamente.“ Michael Bormke ergänzt: „Wenn Menschen künftig wieder in Krankenhäuser gehen müssen, weil ihnen ein paar Euro für Medikamente fehlen, wird die Entwicklung der Betreuung von psychisch kranken Menschen um Jahrzehnte zurück geschleudert.“
Tierische Mitbewohner
Schon Daniel Defoe, der Autor des Klassikers der Weltliteratur „Robinson Crusoe“ soll gewusst haben: „Wer eine Katze hat, braucht das Alleinsein nicht zu fürchten.“Im Wohnheim Worringer Reitweg gibt es einige Menschen, die diesem Zitat aus Überzeugung zustimmen würden. Hat sich doch hier schon vor Jahren eine Samtpfote niedergelassen und das mitten im Wald gelegene Wohnheim zum neuen Erstwohnsitz erwählt.Seitdem kümmern sich viele Bewohner und Mitarbeiter liebevoll um den felligen Mitbewohner. Schon bald darauf kam die nächste Mieze hinzu. „Ein Bewohner hatte sie gefunden und war sehr besorgt, da die Katze offenbar krank war“, erinnert sich Heimleiter Kolja Ruhl.
Doch die Katze war nicht krank sondern trächtig und fühlte sich schon bald samt Nachwuchs wieder pudelwohl. Die Kätzchen wurden allesamt gut vermittelt, doch die Mutter fand im Wohnheim ihr neues Zuhause. „Inzwischen haben wir auch noch eine dritte Katze“, berichtet Ruhl. Diese sei über einen Tierschutzverein zum Regenbogen gekommen.
„Mitzi“, „Susi“ und „Kater Pilla“, so die Namen des tierischen Trios, fühlen sich im Wohnheim offenbar pudelwohl. Sonst wären sie wohl schon weiter gewandert.
„Einer unserer Bewohner war lange obdachlos und kümmert sich jetzt sehr gewissenhaft um eine der Katzen“, so Ruhl. „Er hat Verantwortung übernommen.“ Eine andere Bewohnerin beschäftige sich regelmäßig mit den Tieren. Ruhl: „Das trägt bei ihr zur Stabilität bei.“
Um die Versorgung der drei Katzen kümmern sich unterschiedliche Bewohner selbständig. Das Futter – und auch die Tierarztrechnungen – zahlen jedoch die Mitarbeiter aus der eigenen Tasche. Und es kommt eine kuriose, wohl recht einmalige Situation den Katzen zu Gute: Wie berichtet, gehört zum Wohnheim auch ein Hühnergehege.
Die Eier der Vögel dürfen aber aus hygienischen Gründen nicht in der Küche des Wohnheims verwendet werden. Stattdessen können Mitarbeiter die Eier kaufen. „Das Geld aus dem Eierverkauf können wir in die Versorgung der Katzen investieren. Die Hühner erwirtschaften also das Geld für die Katzen“, schmunzelt Ruhl.
Kein Abschied für immmer
Monika Müller nahm ihren Abschied im Wohnheim Heiligenbaumstraße. Mitarbeiter und Geschäftsführung bedankten sich bei ihr und sorgten für einige fröhliche Überraschungen.
„Besser kann man es nicht machen“, fasste Regenbogen-Geschäftsführerin Elisabeth Hofmann jetzt die Arbeit von Monika Müller in den vergangenen 17½ Jahren zusammen. Mit einer Feier, zu der Mitarbeiter aus allen Einrichtungen kamen, verabschiedete sich der Regenbogen nun von einer Mitarbeiterin, die die Arbeit des Wohnheims Heiligenbaumstraße seit dem ersten Tag geprägt hat.
Hier war Monika Müller seit 1993 stellvertretende Heimleiterin und hat stets dafür gesorgt, dass Bewohner und Mitarbeiter in jeder Situation eine vertraute und zuverlässige Ansprechpartnerin hatten.
Auch wenn mit ihrem Nachfolger Dirk Schimanski längst ein Mann gefunden ist, der die Arbeit im Haus selbst gut kennt und mit Engagement auszufüllen versteht, sind alle Mitarbeiter, Vorstand und Geschäftsführung froh, dass Frau Müller im Ruhestand noch eine Zeitlang mit wenigen Wochenstunden tätig bleiben wird, um zu den Menschen, die sich dafür interessieren in das Wohnheim zu ziehen, erste Kontakte aufzubauen.
Therapeutische Hühner
Kaum zeigte der Kalender Frühling an und bescherte dieser die ersten warmen Tage, schon nahm im Wohnheim Worringer Reitweg auch in anderer Hinsicht das Warten ein Ende. Das erste Ei der seit Dezember auf dem Grundstück des Wohnheims lebenden Hühner konnte „geerntet“ werden. Für die Hennen hatte es bereits kurz nach dem Einzug ein freudiges Ereignis gegeben, als ein Gockel, den das Wohnheimteam über eine Tierschutzorganisation bekommen hatte, einzog.
Für die Versorgung der Vögel sind die Bewohner mit Unterstützung der Mitarbeiter verantwortlich. Doch ehe die muntere Vogelschar einziehen konnte, galt es den Amtsschimmel zu reiten. Bereits bei der Anmeldung der Tiere beim Veterinäramt gab es kleinere Irritationen, als das Anmeldeprozedere für fünf Hühner abgeklärt werden sollte. Von Amtsseite kam die Nachfrage, ob es sich um 500 oder 5000 Hühner handele. Später gab es im Anmeldeformular keine geeignete Kategorie für die Nutzungsart. Die vorgeschlagenen Kategorien, darunter etwa „Masttierhaltung zu Fleischproduktion“ oder „Legehennenhaltung zur Eierproduktion“, trafen eindeutig nicht zu. So wurde kurzerhand ein neuer Zweck aufgenommen: „Therapeutische Hühner“.
Die Redaktion wünscht allen Lesern frohe Ostern!
