Ende der Kameraüberwachung

Menschen, die wegen einer schweren psychischen Krise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden, durchleben eine Zeit, in der sie sich häufig von anderen Menschen verlassen fühlen. „Was diese Menschen dann brauchen, sind andere Menschen, keine Einsamkeit“, unterstrich Michael Bormke, Leiter des Wohnheimes Heiligenbaumstraße, deshalb in den vergangenen fast drei Jahren immer wieder. Damit vertrat er die Meinung von Regenbogen Duisburg, aber auch von vielen anderen Initiativen, Verbänden, Institutionen, Experten und Betroffenen, die sich dagegen wehrten, dass Menschen, die in der Psychiatrie ans Bett fixiert werden, nur von Kameralinsen beaufsichtigt  werden.

Das wird sich nun ändern. Ab Dezember müssen fixierte psychiatrische Patienten von einem Mitarbeiter der Klinik beobachtet werden. Dies entschied der Landtag jetzt in seiner Plenarsitzung, als er das „Gesetz zur Abschaffung der Videoüberwachung von zwangsweise untergebrachten Patientinnen und Patienten in der Psychiatrie“ verabschiedete. Damit wurde das Horrorszenario, dass Menschen in Nöten nur sich selbst und der Überwachungstechnik überlassen bleiben, nach einem Vorstoß der FDP-Landtagsfraktion endlich wieder abgeschafft.

„Das ist ein wichtiger Erfolg für uns und vor allem für die Betroffenen“, freut sich Bormke. Er selbst war im Juni dieses Jahres zu Gast im Landtag und stand den Politikern im Fachausschuss Rede und Antwort zu den Gefahren der bestehenden Praxis. Er warnte eindringlich davor, dass der Gesundheitszustand von psychisch erkrankten Menschen in dieser Situation nicht nur weiter leiden könnte, sondern, dass auch bei fixierten Patienten die Gefahr der beabsichtigten oder unbeabsichtigten Strangulation bestehe. „Wenn dann kein anderer Mensch in der Nähe ist,

 

der helfen kann, kann die Hilfe zu spät kommen.“

Dabei war die Situation erst im Januar 2009 nach einem Erlass des zuständigen Ministeriums zum Nachteil der Betroffenen geändert worden. „Dank der breiten Front konnte die Politik nun davon überzeugt werden, dass ein Umdenken unerlässlich ist“, so Bormke.

Das neue Gesetz ist eindeutig. Dort heißt es zur Kameraüberwachung: „Eine Beobachtung durch Einsatz technischer Mittel zur Anfertigung von Bildaufnahmen und Bildaufzeichnungen sowie zum Abhören und Aufzeichnen des gesprochenen Wortes ist verboten. Eine Beobachtung im Rahmen besonderer Sicherungsmaßnahmen darf ausschließlich durch den Einsatz von Personal erfolgen.” Therapeutische Gründe für den Einsatz der Videoüberwachung seien aus fachlicher Sicht zu bezweifeln. Vorrang müsse die persönliche Beobachtung und Betreuung zwangsweise untergebrachter psychisch kranker Menschen haben.

Für das Gesetz stimmten mit SPD, Grüne, FDP und Linke alle im Landtag vertretenen Parteien, mit Ausnahme der CDU.

Neuauflage VHS-Inforeihe

Auch im kommenden Jahr wird Regenbogen wieder gemeinsam mit der Volkshochschule eine Informationsreihe rund um das Thema Psychische Gesundheit anbieten.

Der unerwartet hohe Zuspruch in diesem Jahr hat gezeigt, dass das Interesse in der Bevölkerung, mehr über psychische Erkrankungen, ihre Auslöser und Hilfeangebote zu erfahren, sehr groß ist. Deshalb wird es im Wintersemester 2012 wieder neue Veranstaltungen mit neuen Inhalten geben. Ein oder vielleicht zwei andere Themen bleiben, da hier das Interesse besonders groß war. Allen Veranstaltungen wird jedoch gemeinsam sein, dass Menschen ohne Vorkenntnisse von Fachleuten mit einfachen Worten erklärt bekommen, was sich hinter den Begriffen und Schlagwörtern versteckt – und wo es vielleicht auch Missverständnisse gibt.

Regenbogen bedankt sich noch einmal herzlich bei den Sponsoren, die die erfolgreiche Inforeihe in diesem Jahr – insgesamt kamen rund 450 Leute zu den vier Veranstaltungen – möglich gemacht haben. Dank der Fasselt-Stiftung und Klöckner & Co konnten alle Vorträge kostenfrei angeboten werden.

Elisabeth Hofmann wurde 60

Noch in der Nacht zum 3. November gingen die ersten Glückwünsche zum 28. Geburtstag ein. Facebook macht es möglich. Aber auch auf vielen anderen Wegen erhielt Regenbogen zu seinem Geburtstag Glückwünsche und Danksagungen. Am 3. November 1983 gründete sich der Regenbogen e.V. und entwickelte sich seitdem weiter zu einem modernen sozialen Dienstleistungsunternehmen.

Großen Anteil daran hat die erste Vorsitzende des Vereins, die heutige Geschäftsführerin, Elisabeth Hofmann. Wenige Tage, nachdem Regenbogen seinen 28. Geburtstag feierte, vollendete sie jetzt ihr 60. Lebensjahr. Fast ihr halbes Leben hat sie der „Verbesserung der psychosozialen Versorgung“ gewidmet, wie es im Namen des Vereins laut Satzung heute noch immer heißt.

Die Diplom-Pädagogin setzte und setzt sich in vielfältigen auch überregionalen Gremien für die Rechte und Bedürfnisse der Menschen mit psychischer Erkrankung ein und ist bis heute eine engagierte Streiterin geblieben.

Elisabeth Hofmann wurde 1951 in der Eifel geboren, studierte in Trier und kam Anfang der 80er Jahre mit ihrer Familie ins Ruhrgebiet. Heute lebt sie in Rheinberg. Sie reist gerne und viel, kocht häufig und gut widmet sich in ihrer Freizeit auch dem Garten, dem Bücherregal, den kulturellen Angeboten in der Region oder den Freunden. An das Renteneintrittsalter denkt sie dabei aber noch lange nicht. In den vergangenen 28 Jahren hat sie für Regenbogen immer wieder bewiesen, dass in fünf Jahren viel Neues entstehen und Bewährtes ausgebaut werden kann.

Abschied von Dirk Vetter

Plötzlich und unerwartet ist jetzt im Alter von nur 44 Jahren Dirk Vetter verstorben. Dirk Vetter lebte seit vielen Jahren im Betreuten Wohnen, seit über einem Jahr war er zudem  für den Arbeitsbereich im Einsatz. Hier gelang es ihm erst nach einigen Mühen ein Verhältnis zu anderen aufzubauen, in dem auch der kollegiale Austausch möglich war.

Dank der einfühlenden Arbeit der Kollegen aus dem Arbeitsbereich fand sich Dirk Vetter hier jedoch immer besser ein und fand nach langer Zeit einen sinnvollen Einsatzbereich, der ihn stolz machte.

Seine Kollegen und die Mitarbeiter des Betreuten Wohnens trauern um Dirk Vetter und vermissen ihn.

Beispiele für Inklusion

Der Alltag von Menschen mit Handicap ist voller Barrieren. Dabei wird in Duisburg schon seit vielen Jahren daran gearbeitet, diese Barrieren abzubauen und Menschen mit Behinderung die Teilhabe am öffentlichen Leben in allen Bereichen zu erleichtern. Geprägt wird diese Bemühung von dem Schlagwort „Inklusion“, das in aller Munde ist. Inklusion bedeutet laut Definition so viel wie Einbeziehung oder Dazugehörigkeit. 14 Beispiele für die gelebte Inklusion in der Stadt wurden jetzt bei der Fachtagung der Trägerkonferenz Behindertenhilfe zum Thema „Inklusion – Mode oder mehr?“ präsentiert. Regenbogen stellte mit dem CAP-Markt, der Kooperation mit dem Kunstverein, dem Sportangebot in der Innenstadt und der VHS-Bildungsreihe (über alle Angebote wurde in der Regenbogen-Presse bereits berichtet) gleich vier Projekte vor, die Menschen mit und ohne Behinderung zusammen bringen. Zuvor hatten drei Menschen mit Behinderung ihre eigenen Erwartungen an Inklusion erläutert und damit eine Gesprächsgrundlage gegeben.

Denn die Fachtagung sollte bewirken, dass Inklusion in die langfristige Planung der Duisburger Stadtentwicklung einbezogen wird. „Die Stadt muss sich die Inklusion auf die Fahnen schreiben“, hatten die Sprecher der Trägerkonferenz, Elisabeth Hofmann (Regenbogen), Sieghard Schilling (Diakoniewerk) und Bernhard Wippermann (Caritas) gefordert. Die eingeladenen Politiker machten allerdings deutlich, dass es noch ein weiter Weg ist, bis Inklusion als eine Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird. So führten die Vertreter der CDU und der Linken vor allem finanzielle Fragen ins Feld. Die SPD musste sich kurz vor der Tagung entschuldigen, die anderen Parteien blieben grundlos fern.

Wohin der Weg gehen soll, zeigten stattdessen einige Bewohner des Haus‘ Regenbogen auf. Der Chor „Straight ahead“ (zu dt.: geradeaus) sorgte für gute Stimmung und ließ die Tatsache, dass auf die Mitglieder der Trägerkonferenz noch viel Arbeit wartet, kurz vergessen.

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